Die ersten 2 Wochen meines zweiten Projekes sind vorbei und ich muss sagen, dass es mir leichter fällt als zu Beginn befürchtet. Wenn das Ziel „satt werden“ lautet, stellen 2,50€ pro Tag keine sonderliche Hürde dar, solange ich (und das ist ganz entscheidend) nicht wählerisch bin. Gelüstigen Sonderwünschen nachzukommen ist fast unmöglich, sind aber auch nicht unbedingt notwendig. Auf drei Dinge habe in den letzten Wochen signifikant verzichten müssen: 1. Obst + Gemüse in Hülle und Fülle, 2. Fleisch und 3. Süßigkeiten.
Äpfel und Kiwis hatte ich in ausreichende Menge vorrätig, aber meinem Wunsch nach z.B. einer Avocado,einer Ananas, Beeren oder Feldsalat mit geschmorten braunen Champignons und frischen Kräutern konnte ich nicht nachkommen. Damit, dass mein Fleischkonsum gegen null gesunken ist, kann ich gut leben, ein eher positiver Nebeneffekt. Ebenso verhält es sich mit den Süßigkeiten. Schokolade, Gummibärchen und Co sind im Verhältnis so teuer, dass ich auch lieber komplett darauf verzichtet habe. Im Notfall habe ich mich an einem selbstgekochten Vanillepudding oder an einem Pancake erfreut.
Zu einer einzigen Mahlzeit habe ich bewusst gesündigt, ja ich gestehe. Letzte Woche bin ich zum ersten Mal in meinem Leben in der Business Class geflogen. Natürlich war ich neugierig auf das Essen dort und genehmigte mir aufgrund der Besonderheit des Ereignisses diese Ausnahme. Nicht, weil mich meine Gelüste oder mein Hunger übermannten. Nein es war die reine Neugierde, was man denn in der Business Class serviert bekommt. Abgesehen davon, dass das Putensteak mit dem Spargelsalat und dem Schokoladenkuchen ausgesprochen lecker war, wurde mir plötzlich die Dekadenz meines aktuellen Projektes bewusst: Es geht mir in meinem Lebensstandard und in meinem Alltag so gut, dass ich es mir leisten kann für 4 Wochen ansatzweise in ein anderes Leben zu schlüpfen um mich mit Problemen auseinanderzusetzen, die ich eigentlich gar nicht habe. Ich kaufe/konsumiere nicht nichts, weil ich es mir nicht leisten kann, sondern ich kaufe/konsumiere nichts, eben gerade weil ich es mir leisten kann. Puh…so richtig gut fühlt sich diese Erkenntnis nicht an muss ich sagen. Zu meiner Verteidigung (gegenüber mir selber) kann ich jedoch anbringen, dass ich schon nach kurzer Zeit ein ganz anderes Bewusstsein für die Armutsthematik entwickele. Schließlich ist ja das Ziel meiner „vierwochen“ Projekte viel tiefgreifender in gewisse Themen einzusteigen. So lese ich z.B. fast jeden Tag diverse Artikel zu meinen aktuellen Projekten, befasste mich mit unterschiedlichen Organisationen und versuche Meinungen von unterschiedlichen Standpunkten aus zu beleuchten. Die Gedanken die ich mit euch teile sind lediglich ein Bruchteil meiner Zeit, die ich in die entsprechende Thematik investiere.
Nicht zuletzt aufgrund dieser neuen Erkenntnis starte ich nun also in Woche drei. Bis auf die Tatsache, dass ich in diesen frühlinghaften Tagen keine leckere Eisdiele besuchen kann freue ich mich dennoch auf die Zeit, die noch vor mir liegt.
Habt einen schönen Sonntag! 🙂
